Kubanische Zigarren derzeit nicht lieferbar: Was hinter dem Lieferstopp steckt

Lieferstopp bei Habanos: Warum Cohiba & Co. gerade fehlen
Wer in den letzten Tagen nach kubanischen Zigarren gefragt hat, bekommt vielerorts dieselbe Antwort: aktuell nicht lieferbar. Der Grund ist ungewöhnlich, denn er liegt nicht in Kuba, sondern in einem Sanktionsverfahren gegen einen Geschäftsmann in Südostasien. Was aktuell noch verfügbar ist, zeigt unser Sortiment an kubanischen Zigarren.
Was ist passiert?
Die 5th Avenue Products Trading GmbH aus Waldshut-Tiengen ist der exklusive Importeur kubanischer Zigarren für Deutschland, Österreich und Polen. Seit dem 4. September 2026 liefert das Unternehmen nicht mehr aus. Am 9. September ordnete das Amtsgericht Waldshut-Tiengen die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Betroffen sind rund 49 Beschäftigte, 27 kubanische Zigarrenmarken (darunter Cohiba, Montecristo und Bolívar) und etwa 200 Fachhändler in Deutschland.
Wie kommt es zu einer Insolvenz bei einem gesunden Unternehmen?
Wirtschaftlich stand die Firma offenbar gut da: 2024 soll sie bei gut 63 Millionen Euro Umsatz einen hohen operativen Gewinn erzielt haben. Das Problem liegt bei den Eigentümern.
Der Importeur wurde 1989 als Gemeinschaftsunternehmen mit dem kubanischen Exportmonopol Habanos S.A. gegründet. An Habanos wiederum ist über mehrere Zwischengesellschaften auch Chen Zhi beteiligt, Gründer der kambodschanischen Prince Holding Group. Ihm und seiner Gruppe werden Onlinebetrug, Menschenhandel und weitere schwere Straftaten vorgeworfen. Seit dem 30. Juli 2026 steht er auch auf der EU-Sanktionsliste. Rechnerisch werden ihm rund 16 Prozent am deutschen Importeur zugerechnet.
Für Banken ist das ein Risiko, das sie nicht eingehen wollen. Die Konten wurden gesperrt, und ohne Konten konnte das Unternehmen weder Ware bezahlen noch Rechnungen begleichen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters wird derzeit versucht, bei den zuständigen Behörden zumindest eine teilweise Freigabe der Vermögenswerte zu erreichen.
Nicht nur kubanische Marken betroffen
5th Avenue vertreibt in Deutschland nicht nur Habanos, sondern auch weitere Zigarrenmarken, darunter VegaFina, Flor de Copán und Henry Clay. Diese stammen nicht aus Kuba, kommen aber über denselben Importeur. Wir können bestätigen: Auch diese Marken sind aktuell nicht lieferbar, und ein Termin für die Wiederaufnahme der Lieferungen ist derzeit nicht bekannt.
Und in anderen Ländern?
Deutschland steht nicht allein da. Auch in Großbritannien, den USA und im asiatisch-pazifischen Raum gab es bereits Schwierigkeiten im Habanos-Vertrieb. Teils konnten Lizenzen oder Genehmigungen den Betrieb wieder in Gang bringen. Ob und wann das für Deutschland gelingt, ist offen.
Was bedeutet das für Zigarrenfreunde?
- Vorräte im Handel: Was Fachhändler noch auf Lager haben, bleibt erhältlich, aber ohne Nachschub schrumpft der Bestand.
- Beliebte Formate zuerst: Gängige Vitolas sind erfahrungsgemäß als Erstes vergriffen.
- Preise: Bei knapper Ware ist mit steigenden Preisen zu rechnen.
- Keine Panikkäufe: Wie lange der Stillstand dauert, weiß derzeit niemand. Wer gezielt eine Lieblingszigarre sucht, sollte aber nicht zu lange warten.
- Vorsicht bei Angeboten aus unklaren Quellen: Bei Mangel steigt die Zahl der Fälschungen. Kaufen Sie beim Fachhändler Ihres Vertrauens.
Alternativen zur Überbrückung
Kubanische Zigarren sind einzigartig, aber die Welt der Premium-Zigarren ist größer. Zigarren aus der Dominikanischen Republik, aus Nicaragua und Honduras, die über andere Vertriebswege ins Land kommen, sind vom Lieferstopp nicht betroffen. Hier einige Beliebte Marken: John Aylesbury, Davidoff, La Aroma del Caribe, Los Finos, Oscar Valladares, Rocky Patel.
Fazit
Der Lieferstopp ist kein Zeichen dafür, dass in Kuba nicht mehr produziert wird, sondern ein Finanz- und Sanktionsproblem in der Eigentümerkette. Wann der Vertrieb in Deutschland wieder anläuft, wissen auch wir nicht. Solange informieren wir Sie hier über den aktuellen Stand. Und wenn Sie wissen möchten, was wir aktuell noch da haben: Stöbern Sie in unseren kubanischen Zigarren.
Wie geht es bei 5th Avenue weiter?
Für die rund 50 Beschäftigten, die Fachhändler in Deutschland, Österreich und Polen sowie die Gläubiger stehen jetzt entscheidende Wochen an. Das Unternehmen selbst räumt in seiner Mitteilung ein, dass die Lage bei vielen Fragen und Verunsicherung auslösen kann. Man wolle nun eine tragfähige Lösung finden und alles tun, um den Betrieb und seine Zukunft zu sichern.
Wichtig ist dabei: Dem Importeur aus dem Schwarzwald wird selbst nichts Kriminelles vorgeworfen. Er ist offenbar nur wegen der Eigentümerstruktur bei Habanos in die Schusslinie geraten, im Zuge des EU-Vorgehens gegen internationale Kriminalität.